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Gewaltspiele: Interview mit Roland Näf

  Global 

GBase:

Sind Ihnen Studien aus Asien bekannt? In Korea sind Videogames ein Volkssport für Jung und Alt. Woran mag es liegen, dass dort täglich Millionen virtueller Leben aufs Blutigste ausgehaucht werden, aber das Phänomen des Amoklaufes, wie wir es aus Europa und Amerika kennen, gar nicht auftaucht?

Roland Näf:

Einen Wirkungsfaktor wie der Konsum von Killergames können Sie nur untersuchen, wenn Sie Stichproben vergleichen, bei denen der Einfluss von anderen Faktoren, zum Beispiel kulturelle Eigenheiten, ausgeschlossen wird. Mit anderen Worten: Um eine Aussage über die Auswirkung von Killergames in Korea zu machen, müssten wir DORT Gruppen von Menschen mit unterschiedlichem Medienkonsum miteinander vergleichen. Denn wie gesagt, gewalttätiges Verhalten ist nicht monokausal erklärbar. Killerspiele sind in erster Linier ein fataler Auslöser von unverhältnismässiger Gewalt.

GBase:

Stellen Forderungen nach einem Verbot von Gewaltspielen nicht einen viel zu einfachen vermeintlichen Ausweg aus komplexeren Fragestellungen dar? Müsste man nicht eigentlich alle Kraft auf die Lösung von tiefergreifenden sozialen Missständen und vor allem auf die Sensibilisierung der Erziehungsverantwortlichen konzentrieren?

Roland Näf:

Auch das ist wichtig. Es geht darum, dass wir gemeinsam alle möglichen Anstrengungen unternehmen, um die Ursachen von Gewalt zu bekämpfen. Wir Sozialdemokraten engagieren uns sehr für die Lösung von sozialen Missständen. In Sachen Sensibilisierung habe ich letztes Jahr auch einen politischen Vorstoss im Kanton Bern durchgebracht, der die Regierung zwingt, mit Aufklärung die Erziehungsberechtigten an ihre Verantwortung zu erinnern. Sie finden den Vorstoss auf meiner Homepage. Glauben Sie bitte nicht, meine politische Arbeit reduziere sich auf die Bekämpfung von Killergames. Das ist nur eines von vielen Themen, bei denen ich mich engagiere.

Gewaltspiele Bild

GBase:

Glauben Sie nicht, dass die Thematik einen Konflikt verschiedener Generationen darstellt, wie es ihn in den letzten Jahrzehnten schon oft gegeben hat? Wir nennen hier etwa Filme, Rock'n Roll und Metal.

Roland Näf:

Solche Konflikte gab es nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sondern schon im Altertum. Lesen Sie Platon und Sokrates. Bei Killergames geht es aus meiner Sicht eindeutig nicht um einen Generationenkonflikt, sondern schlicht um die Vermeidung von viel menschlichem Leid.

GBase:

Haben Sie sich mit Jugendlichen unterhalten, welche Spiele wie Counter-Strike und Ähnliches spielen? Haben Sie diese Menschen nach ihrer Motivation gefragt, auf den virtuellen Abzug zu drücken? Wenn ja, welchen Eindruck haben Sie von Menschen erhalten, welche das Hobby Gewaltspiele praktizieren?

Roland Näf:

Ich habe sehr viel mit Gamern gesprochen, unter anderem in einem recht offenen Verhältnis mit meinen 16-jährigen Schülern. Nebenbei: Einige Spiele, die ich getestet und der Presse präsentiert habe, stellten mir meine Schüler zur Verfügung. In Anlehnung an die Berliner Nutzungsstudie ging ich nie davon aus, dass Gamer grundsätzlich komische und kranke Typen sind. Aber im Zusammenspiel mit anderen Persönlichkeitsfaktoren wirken sich Killergames bei einem kleinen Teil der Gamer fatal aus. Im Sinne einer Güterabwägung halte ich es deshalb für legitim, wenn wir die Freiheit ungehinderten Medienkonsums einschränken, wenn wir damit Menschen vor viel Leid schützen können. Denn wer ist denn wirklich darauf angewiesen, derart scheussliche Gewalt zu konsumieren?

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Ettore Trento am 09 Jun 2008 @ 00:13
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