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Gewaltspiele: Interview mit Roland Näf

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GBase:

Das Militär trainiert zwar mit Action-Games, aber sie sagen auch aus, dass die Games niemals den praktischen Einsatz ersetzen können. Bei einem Soldaten ist es schlussendlich nicht ein Spiel, welches die Tötungshemmung herabsetzt, sondern die unmittelbare Kriegserfahrung, bei der es um das eigene Leben geht. Mit einem Rennspiel kann man auch nicht lernen, ein Auto zu fahren, sind Sie da nicht gleicher Meinung?

Roland Näf:

Die Ziele des Einsatzes von Action-Games bei der Ausbildung amerikanischer Soldaten sind erstens die Herabsetzung der natürlich gegebenen Tötungshemmung, nachdem man insbesondere im Vietnamkrieg die Erfahrung machte, dass Soldaten in kritischen Situationen davor zurückschreckten, abzudrücken. Zweitens wird auch durch das virtuelle Kämpfen die Schnelligkeit bei der Erfassung von Situationen trainiert. Es ist ja auch nachgewiesen, dass mit Games eine Art visuelle Intelligenz trainiert werden kann. Aber auch hier: Es braucht dazu keine grausame Gewalt.

Gewaltspiele Bild
Ihre Aussage, bei einem Rennspiel lerne man nicht Autofahren, stimmt bei sehr guten Rennspielen kaum mehr. Offenbar haben Sie vergessen, dass zum Beispiel die Ausbildung zum Piloten von Kampflugzeugen oder neuen Verkehrsmaschinen zu einem grossen Teil am Simulator, also mit einem Computerspiel, erfolgt. Flugsimulatoren sind heute so gut, dass Sie nach intensivem Training bereits über gute Fähigkeiten zum Steuern eines Flugzeugs verfügen. Ebenso wird die Bedienung von gefährlichem Kriegsgerät, etwa Panzern, mit Computerspielen beziehungsweise Simulatoren trainiert. Genau das sollte Ihnen zeigen, wie fatal die Simulation von grausamer Gewalt beziehungsweise virtuellem Töten ist!

GBase:

Angesichts der Tatsache, dass Sie als Einleitung zu ihrer Homepage ein Zitat des berühmten englischen Schriftstellers H.G. Wells gewählt haben, liegt die Vermutung nahe, dass Sie kulturelle Werte schätzen. H.G. Wells war nicht nur ein weltweit anerkannter Science-Fiction-Autor, sondern hat im Jahr 1913, wie Sie vielleicht wissen, ironischerweise auch ein Buch mit dem Titel Little Wars veröffentlicht. In diesem Werk stellte der Literat die Regeln für eines der ersten sogenannten Tabletop-Kriegsspiele auf, was uns zum nächsten Thema bringt: Dem kulturellen Wert von Spielen, auch wenn diese teilweise Gewaltdarstellungen beinhalten.

Seit jeher ist Gewalt ein Thema, das in der Literatur, seit der Entstehung des Mediums, aber auch in Filmen eine zentrale Rolle spielt. Themen wie die Mafia oder Krieg, welche aus technischen Gründen unweigerlich mit Gewalt verbunden sind, werden darin abgehandelt und kulturell verwertet. Nach dieser langen Einführung in die Thematik nun zur eigentlichen Frage: Gestehen Sie Spielen, welche sich mit derartigen Themenbereichen auseinandersetzen, nicht denselben kulturellen Wert zu wie anderen Medien, welche dies ebenfalls machen? Falls nein, weshalb nicht?

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Ettore Trento am 09 Jun 2008 @ 00:13
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