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Gewaltspiele: Interview mit Roland Näf

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GBase:

Sie haben einmal den Satz erwähnt "Je schneller und grausamer ich töte, desto schöner!". Wir können uns diesem Zitat nicht anschliessen, wer so denkt, ist krank und hat von Vornherein ein gestörtes Verhältnis zur Gewalt. Glauben Sie nicht, dass es für den Spieler spannender ist, sich eine Strategie zurechtzulegen, die Stärken und Schwächen des Gegners zu studieren und ihn mit Intelligenz zu besiegen?

Roland Näf:

Ja, Sie haben Recht, das ist krank. Aber genau solche Reaktionen lassen sich mit bildgebenden Verfahren, zum Beispiel Magnetresonanzverfahren, im Gehirn zeigen: Killerspiele beruhen darauf, dass der Spielende für seine Gewalthandlungen mit Punkten belohnt wird. Bei diesen Erfolgserlebnissen zeigen sich die gleichen Muster der Hirnaktivität, wie wenn Ihnen zum Beispiel ein Mädchen sagt, dass Sie gut aussehen. Nun wissen wir, dass gerade solche Rückmeldungen aus der Umwelt Lernprozesse entscheidend fördern. So erinnern wir uns besonders gut an Situationen, die mit solchen positiven Gefühlen verbunden sind. Sie lernen also, dass Töten gut tut beziehungsweise schön ist. Mehr darüber erfahren Sie in der ausgezeichneten Studie von Koepp et. al. (publiziert in NATURE!):
Koepp MJ, Gunn RN, Lawrence AD, Cunningham VJ, Dagher A, et al. (1998) Evidence for striatal dopamine release during a video game. Nature 393: 266-268

GBase:

Nochmals ein Zitat von Ihnen: "Die ständige Wiederholung von Tötungshandlungen unter Einsatz grausamer Waffen kann sich vor allem schädlich auswirken, wenn diese Gewalttätigkeiten mit Erfolg im Spiel verknüpft sind.". Das ist das Grundprinzip jedes Wettkampfes, auch im realen Boxen oder im Fussball. Bei vielen Spielern führt ein erfolgreiches Abschneiden zur Abreagierung und einer Zufriedenheit darüber, die Herausforderung gemeistert zu haben. Ein aggressives Verhalten nach dem Spielen kann ein Mensch auch nach einer Partie "Mensch ärgere dich nicht" haben. Wird die Thematik mit der Idee eines Verbotes nicht zu einseitig beleuchtet?

Roland Näf:

Stimmt, auch "Mensch ärgere dich nicht" kann zumindest bei schlechten Verlierern kurzfristig Aggressionen wecken. Aber dabei wird weder die Tötungshemmung herabgesetzt noch werden grausame Handlungsabläufe systematisch trainiert. Übrigens ist es auch beim Boxen so, dass keineswegs Aggressionen abgebaut werden, wie man das noch in den 1970er-Jahren vermutete. Zum Nachweis genügt es vollkommen, wenn Sie die Zuschauer vor und nach dem Kampf beobachten und Vergleiche ziehen.

Ich habe überhaupt nichts gegen das Grundprinzip in Wettkämpfen: Erfolg haben mit entsprechender Befriedigung, aber bitte nicht durch grausames Töten, das brauchen wir bestimmt nicht.

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Ettore Trento am 09 Jun 2008 @ 00:13
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