GBase - the gamer's base

Header08
oczko1

Game of Thrones - A Telltale Games Series: Special

  Playstation 4 

In den letzten Jahren entwickelte sich das Game-of-Thrones-Franchise zu einem der erfolgreichsten seiner Art – aus den Büchern von George R. R. Martin wurde eine TV-Serie, daraus wiederum eine grossartig erzählte und atmosphärisch gezeichnete Comicbuch-Reihe, aus der sich letztendlich Unmengen Merchandise-Artikel wie der Phönix aus seiner Asche erhoben. Jetzt steht die Versoftung durch den Adventure-Giganten Telltale Games ins Haus, die dem Fantasie-Epos hoffentlich gerechter wird, als die erste Videospielportierung A Game Of Thrones: Genesis, die sich offen gesagt als Griff ins Klo entpuppte.

Episode 1: Iron from Ice

Die digitale Umsetzung der Ereignisse in und um Westeros sollte die Entwickler von Telltale wohl vor eine besondere Aufgabe stellen. Entgegen dem Universum von The Walking Dead, in dem das Schicksal eines jeden x-beliebigen Überlebenden zur Inszenierung eines Action-Drama-Spiels herhalten kann, wurden hier die Geschichten nahezu jedes interessanten, für Westeros auch nur im Geringsten bedeutsamen Einzelakteurs vom Autor der Buchvorlage bereits genauestens umrissen.

(Spoiler-Warnung!) Episode 1 setzt kurz vor dem wohl bedeutendsten Ereignis der dritten Staffel an: die rote Hochzeit. Bei der Vermählung von Edmure Tully und Roslin Frey verrieten der Gastgeber Lord Frey und Lord Bolton ihre Lehnsherren. Das Ganze uferte in einem umfassenden Massaker aus, bei dem Robb Stark, dessen Mutter Catelyn Stark und viele ihrer treuen Gefolgsleute ihr Leben lassen mussten. Unter ihnen das kleine, stolze und ebenso ehrbare Haus Forrester, ein treuer Vasall des Königs aus dem Nordens. (Ende der Spoiler-Warnung!) Ihr schlüpft in die Rolle von Gared Tuttle, dem Knappen Lord Forresters. Im Auftrag seines Herrn verlässt er in letzter Sekunde das Schlachtfeld, um dessen Haus vom Verrat der einstigen Verbündeten zu unterrichten und entsprechend vorzubereiten. Auf der mächtigen Festung der Forresters, Eisenrath, übernehmt ihr die Kontrolle über Ethan Forrester. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt der junge Lord die Geschäfte seiner Familie, trägt fortan alle Verantwortung auf seinen schmalen Knabenschultern und sieht sich alsbald den Verrätern seines Vaters gegenüber. In seiner Not sieht er sich gezwungen, seine ältere Schwester Mira Forrester in Königsmund um Hilfe zu bitten, um den Fortbestand seines Hauses zu sichern und seine Ländereien zu schützen. Sie ermöglicht es euch als Zofe der Lady Margaery Tyrell, der baldigen Ehefrau des kranken Königs Joffrey Baratheon und damit zukünftigen Königin der sieben Königslanden, auch in der Hauptstadt nach Intrigen zu schürfen. Dort macht ihr auch schon bald die Bekanntschaft von Cersei und Tyrion Lennister. Wem darf man in der Hauptstadt vertrauen und wer ist bereit, seine eigenen Interessen für euch hinten anzustellen?

Der Wechsel zwischen den drei spielbaren Charakteren ist schon ein kleiner Fingerzeig auf die Reichweite der künftigen Adventure-Episoden. Die Welt von Westeros und die ineinander verzahnten Charaktere werden in Zukunft kaum die Möglichkeit haben, den aufkeimenden Konflikt mit nur einem Schauplatz oder nur einem Charakter lösen zu können.


Abseits der wenigen Actionszenen geht es etwas gemütlicher vorwärts. Die Handlung hinter Game of Thrones: Episode 1 transportiert Telltale fast ausschliesslich über vollautomatisch ablaufende Sequenzen. Die in besonders spannenden Momenten eingestreuten Quick-Time-Events stören dabei schon fast den Spielfluss und führen bei Unaufmerksamkeit gleich mal zum Tod. In einigen Arealen sei es euch dann auch gestattet, frei die Gegend zu erkunden. Die etwas holprige Kameraführung und Gegenstände, die euch regelmässig den Weg versperren, nerven zwar gelegentlich, rauben euch aber nicht den Spielspass. Zwar gibt es während dieser Passagen meist nicht sonderlich viel zu entdecken, abgesehen von ein paar gut zu wissenden Extrainfos. Dafür überzeugt Telltale mal wieder durch unterhaltsame und interessante Gespräche. Aber Vorsicht! Jedes Wort, jede Gesprächsoption, die ihr wählt, können im späteren Episodenverlauf gegen euch verwendet werden – besonders moralische Entscheidungen beeinflussen hierbei die vorherrschende Meinung über euch. Schon in Episode 1 ist man gezwungen, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Was die Technik angeht, wird es für Telltale langsam allerhöchste Eisenbahn, mal ordentlich an der Engine zu schrauben. Der Comicstil, der stellenweise viel von einem Ölgemälde mitbringt, sieht zwar schick aus und zeichnet auch ein individuelles Bild von Land und Leuten, allerdings lassen die Animationen stark zu wünschen übrig. Die Gesichter der verschiedenen Akteure transportieren Emotionen oft nur mässig gelungen. Zudem gleichen ihre Bewegungen oft denen von Robotern aus dem Jahr 1998.
Dafür überzeugt Telltale wieder mal mit einer gelungenen Soundkulisse: Dargestellte Situationen werden stets atmosphärisch untermalt und die Dramatik der Szenerie wird stimmig transportiert. Soweit verfügbar, werden die Charaktere durch ihre entsprechenden Realfilmschauspieler synchronisiert. Allerdings gibt es Game of Thrones: Episode 1 in Bild und Ton nur auf Englisch.

Fazit von Patrick Recknagel
All meiner Skepsis zum Trotz schafft es Telltale, selbst im komplexen und von mir sehr geliebten Game-of-Thrones-Kosmos eine Geschichte aus dem Ärmel zu schütteln, die einen schon nach der ersten Episode nach mehr betteln lässt. Grossartige Dialoge und unvorhersehbare Wendungen en masse sorgen definitiv für Unterhaltung, wenn auch nur für zwei Stunden. Wer damit klarkommt, nicht die ganze Zeit auf Tastatur oder Gamepad rumzuhämmern und einfach mal ganz entspannt zuzusehen, wird definitiv prächtig unterhalten.

Game of Thrones - A Telltale Games Series
Game-Facts

Game-Abo
 Was ist das?



Patrick Recknagel

 
Patrick Recknagel am 30 Dez 2015 @ 20:12
Kaufen
oczko1 Kommentar verfassen