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SchlechtschreibprogrammeSchlechtschreibprogramme

Vom ewigen Kampf mit den Rechtschreibprüfungen dieser Welt.

Wir sind erst auf Seite 20 angelangt und haben schon so viel über dieses Buch erfahren. Erfahren haben wir auch einiges über die Methoden des Rechtschreibprogramms. Zunächst fällt auf, dass dieses selbst dann Vorschläge unterbreiten möchte, wenn es eigentlich keine hat. Die früher beliebte Strategie, ein Programm einfach mal nichts sagen zu lassen, scheint von höherer Stelle – um die besoffenen Programmierer nicht weiter zu beleidigen – gekippt worden zu sein. Wer das sein könnte bei einem Open-Source-Programm, ist eine spannende Frage; natürlich agieren in solchen Communities verschiedene Interessengruppen, und im konkreten Fall mischen sogar Konzerne mit. Die Vorschläge wirken, als würde ein amerikanischer, chinesischer oder indischer Programmierer das unaussprechliche deutsche Wort vor sich hin lallen, bis er genügend Varianten erzeugt hat. Und als würde er entdecken, dass man deutsch klingende Komposita an fast jeder Stelle auseinanderschneiden kann, ohne dass sie deshalb sinnvoller werden. Es gibt in den Tiefen der Software vermutlich Regeln zur Bildung der Begriffe, aber es sind keine, die mit der deutschen Sprache abgesprochen worden wären. Zusätzlich zu den Automatismen scheint wie in alten Versionen ein Wörterbuch eingearbeitet zu sein. Leider enthält dieses etliche Wörter nicht, die überaus gebräuchlich sind, dafür etliche, die im All der Sprache noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und wenn man sie schon einmal gesehen hat, möchte man sie nicht unbedingt näher kennengelernt haben.Mit meiner Beispielsammlung werde ich, wie versprochen, die Firmen und Communities behelligen. Ich werde sie fragen, warum die Rechtschreibprogramme, die schon immer schlecht waren, so unübertrefflich schlecht geworden sind. Ich werde sie fragen, warum sie Rechtschreibprogramme entwickeln, die aus der Rechtschreibung eine Schlechtschreibung machen und deshalb Schlechtschreibprogramme heissen müssten. Die keine Werkzeuge, sondern Waffen sind, mit denen man die Wörter über den Haufen schiesst und in den Sätzen liegen lässt. Ich werde sie fragen, warum sie ihre Programmierer so viel trinken und keine Muttersprachler für sich arbeiten lassen. Und ich werde sie fragen, warum sie nicht mit der traditionsreichen Disziplin der Sprachwissenschaft oder den einschlägigen Nachschlagewerken kooperieren. Wenn ich Antworten erhalte, melde ich mich wieder.Über den Autor
Prof. Dr. Oliver Bendel arbeitete in Deutschland und in der Schweiz als Projektleiter im Bereich Neue Medien und leitete technische und wissenschaftliche Einrichtungen an Hochschulen. Heute lebt er als freier Schriftsteller in der Schweiz und arbeitet als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft (Fachhochschule Nordwestschweiz), u. a. mit den Schwerpunkten E-Learning, Wissensmanagement, Web 2.0, Mobile Business und Informationsethik. Er ist zu erreichen über oliver.bendel@fhnw.ch.

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  Eingetragen am 17 Mrz 2010 @ 09:00