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Velvet Assassin: Review

  XBOX 360 


Bemerkenswertes

So frustig das Spiel auch ist, es hat auch bemerkenswerte Eigenschaften, die es trotz allem spielenswert machen. Von Anfang an hat Velvet Assassin eine erstaunlich traumhafte und beklemmende Stimmung, die so manch einen Spieler fesseln kann. Die traumartigen Sequenzen im Fieberdelirium stecken den Rahmen ab. Das ganze Spiel ist schon allein wegen der bedrückenden, düsteren Beleuchtung und Farbgebung ein wahrer Hingucker. Die insgesamt fünf Abschnitte, die in zwölf Levels unterteilt sind, führen den Spieler durch Aussenareale im Dämmerlicht, von einem Nachteinsatz im Hamburger Hafen über düstere Kellerverliesse und Katakomben bis hin zu sonnendurchfluteten, gleissend hellen Aussenmissionen mitten im Warschauer Ghetto. Zu dem einen Level in Warschau gehen wir später noch einmal genauer ein, denn Velvet Assassin macht in Sachen Zweiter-Weltkriegs-Szenario einiges anders als die bekannten WWII-Einheits-Shooter.

In Sachen Vertonung weiss das Spiel zum grössten Teil auch zu überzeugen. Wir kamen in den Genuss der englischen Fassung, in der die Figuren allesamt in der jeweiligen Sprache sprechen, aber dank deutschen Untertiteln für den Spieler verständlich bleiben. Allein Violettes Stimme besticht mit ihrem britischen Akzent und weiss zu begeistern. In den Traumsequenzen bekommen wir auch schon mal Französisch zu hören und natürlich von den Nazisoldaten reichlich Deutsch. Für den deutschen Part wurde niemand Geringeres als Sascha Draeger engagiert, den viele wohl als Stimme von Tim "Tarzan" Carsten aus den TKKG-Hörspielen kennen werden. Nur ein Sprecher, werdet ihr euch fragen. Ja! Draeger spricht alle deutschen Parts im Spiel, was gründlich schief ging. Zwar versuchte er, verschiedene Stimmlagen und Dialekte zu mimen, jedoch gelang ihm dies nicht ganz so gut. Die Tatsache geht einem nach dem 100. belauschten Dialog doch irgendwann auf die Nerven. Schade, denn das wirft doch wieder Schatten auf die sonst sehr gute Synchronisation.

Spiele und der Zweite Weltkrieg

Beim Zweiter-Weltkriegs-Szenario in Videospielen wird so manch einer aufstöhnen, denn dieses muss immer und immer wieder für noch so platte Rahmenhandlungen herhalten. Sei es nur der Grossteil der Call of Duty-Reihe, die Geschichten von Charakter X erzählt, der sich durch die Reihen von Nazis ballert. Auch andere Genrevertreter erzählen mal wieder nur am Rande vom Verlauf des Krieges und wie Agent Y heroisch gekämpft hat, ohne dabei wirklich auf das Elend, das Leid und das wahre Gesicht des Krieges einzugehen. Velvet Assassin geht hier anders an das Thema ran. Immer wieder reflektiert Violette selbstkritisch über ihre Taten. Der oben beschriebene Einsatz im Hamburger Hafen sei nur eines der Beispiele. Der Auftrag ist es, Geheimdokumente sicher zu stellen und dann den nahenden alliierten Bombenangriff auf das Ziel zu lenken. Der Spieler muss sich Sprengstoff besorgen und ein Treibstofflager sprengen. Das anschliessende Feuer soll den Bombenschützen ihr Ziel markieren. Ist man nun aus dem Gebiet in Sicherheit geflüchtet, kommt eine Sequenz, in der man Massen von Bombern sieht, die ihre tödliche Ladung auf das Ziel abwerfen. Violette sagt nur einen Satz: "Ich erfuhr erst später, dass bei diesem Einsatz 30.000 unschuldige Mensch umkamen."

Und genau das lässt den Spieler dann auch mal etwas nachdenklich werden. Der Level im Warschauer Ghetto, den wir oben auch schon angeschnitten haben, zeigt dem Spieler dann noch mal deutlich, dass wir es hier mit keiner Standardgeschichte des WWII-Genres zu tun haben. In Warschau hat Violette den Auftrag, drei Partisanen zu finden, die von den Nazis gefangen genommen wurden. Dabei stellt die Heldin von Anfang an klar, dass der Spieler diese drei Leute töten muss, damit sie dem Feind keine Informationen unter der SS-Folter preisgeben. So kommt man auch zu einer Begebenheit, einen Kameraden, der verletzt am Boden kauert, zu erstechen - auch nicht gerade schön. Doch das Krasseste kommt erst noch, wenn man dann an die Oberfläche gelangt. Was die Nazis im Warschau und auch an vielen anderen Orten mit Juden sowie anderen "nicht erwünschten Menschen" gemacht haben, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen. Velvet Assassin zeigt dies in diesem Level sehr drastisch, was sogar die doch eher kühle Heldin schockt.

Velvet Assassin
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Stefan Vogel am 10 Jul 2009 @ 17:13
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