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STALKER - Clear Sky: Review

  Personal Computer 

Laut Übersichtskarte, auf der Feinde, Freunde und Missionsziele markiert werden, müsst ihr eigentlich nur zu einem Fischerdorf gelangen und die dortigen Clear Sky-Soldaten bei der Verteidigung unterstützen. Dort angekommen, geschieht erst mal gar nichts mehr. Ihr seht wohl, dass sich ein kleines Squad gen Norden aufmacht. Dass ihr diesem Team folgen und weitere Orte erobern sollt, wird vom Programm nicht verraten. Schlimmstenfalls merkt ihr das erst sehr spät, sprintet dem Trupp hinterher und findet ihn von Abtrünnigen niedergemetzelt vor. Dann heisst es, entweder einen früheren Spielstand zu laden oder ganz mutig zu sein und die Jungs im Alleingang aufzumischen.

Fesselnde Schiessereien

Weil aber die Schusswechsel aus der Ego-Perspektive wieder absolut spannend in Szene gesetzt sind, macht ruhig versuchsweise einen auf John Rambo. Mit der Schrotflinte im Anschlag schleicht ihr um ein altes Lagerhaus herum und von Deckung zu Deckung. Ihr macht Halt hinter einem ausgebrannten Autowrack, zückt eine Splittergranate und werft sie einem Abtrünnigentrupp vor die Füsse. Ein lauter Knall ertönt. Die Explosion reisst einen der Feinde in den Tod, die anderen schwärmen aufgeschreckt aus und versuchen, euch zu flankieren. Von links und rechts nähert sich jeweils einer der Typen. Ihr setzt die Schrotflinte an und schiesst. Verdammt, verfehlt! Nur noch eine Patrone in der Kammer, und keine Reservemunition. Der nächste Schuss muss sitzen, sonst sieht's düster aus. Kawumm, Volltreffer! Der Abtrünnige sinkt schmerzerfüllt zu Boden.

Auf der anderen Seite fallen plötzlich Schüsse. Stimmt, da war ja noch einer. Verdammt, er hat euch getroffen und schwer verwundet. Schweissgebadet wechselt ihr zur Pistole, ballert hektisch und fast ziellos in die Richtung des Widersachers und schleppt euch rückwärts hinter einen Holzzaun. Schlechte Idee, denn manche Munitionsarten dringen problemlos durch Holz. Ihr wendet einen Verband an, um die Blutung und damit den fortschreitenden Lebenskraftverlust zu stoppen. Mit einem Medikit frischt ihr ausserdem den bereits bis zur Hälfte geschrumpften Lebensbalken wieder auf. Der Täter hat's derweil selbst mit der Angst bekommen und sich seinerseits hinter einem Objekt in Deckung begeben. Ab und zu kommt er hervor und schiesst gefährlich nahe an euch vorbei. Weiter hinten seht ihr ausserdem Verstärkung kommen - für ihn, nicht für euch.

Ihr sitzt also mächtig in der Tinte. Nach dem Motto "Einer weniger ist einer besser" legt ihr euch auf den Boden und zielt mit der Pistole geduldig in Richtung Erzfeind. Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit verpasst ihr der Nervensäge einen Kopfschuss. Nun wäre es eigentlich höchste Zeit, sich zurückzuziehen, doch ist hinter euch unwegsames Gelände. Es wäre Selbstmord, sich jetzt vom Acker zu machen. Also die Flucht nach vorne suchen und den Leichnam des letzten Opfers nach nützlichen Sachen durchsuchen, bevor die Verstärkung zu nahe dran ist. So ein Pech: ein Verband, eine Pistole des gleichen Modells und ein bisschen Munition, sonst nichts.

Die letzten zwei Dutzend Kugeln ballert ihr auf den Trupp, der anfängt, euch erneut zu flankieren. Diesmal allerdings zwei links, zwei rechts und einer von vorne. Schreibt schon mal euer Testament. Ihr erledigt drei, werdet jedoch selbst mehrmals stark getroffen, schleppt euch hinter ein paar Holzkisten, die allerdings schnell durch den Beschuss zerbersten. Die Lebenskraft neigt sich dem Ende zu, ein letzter Verband stillt die Blutung, doch ist kein Medikit mehr verfügbar. Eure letzte Stunde hat geschlagen. Plötzlich ein Granateinschlag, ein weiterer Widersacher kippt um. Oh Wunder, von rechts nähern sich Clear Sky-Soldaten und mischen die Überbleibsel der Abtrünnigen auf. Ihr kommt gerade so mit eurem Leben davon.

Liebe Leser, diese Situation ist nicht gestellt, sondern Alltag in Clear Sky. Das Spiel lebt geradezu von derart nervenzerfetzenden, taktischen Gefechten, und die KI von Verbündeten und Gegnern gleichermassen weiss euch immer wieder aufs Neue zu überraschen. Dabei bleibt es euch überlassen, ob ihr Feinde lieber aus der Ferne per Scharfschützengewehr ausschaltet oder es doch lieber mit schwerem Gerät direkt an der Front krachen lasst. Ähnlich fesselnd ist es, eine Truppe mitten in der Nacht oder bei düsterem Regenwetter durch ein Waldgebiet zu begleiten. Die Helmlampen der Kameraden strahlen schwach in die Dunkelheit hinein, plötzlich raschelt es in den Sträuchern ringsherum. Im nächsten Moment überfällt euch mit lautem Geknurre eine Horde Mutantenbiester.

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Daniel Boll am 25 Sep 2008 @ 16:25
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