Command & Conquer - Alarmstufe Rot 3: Review
Der Herbst 2008 ist ein echter Spiele-Herbst, allein wenn man sich ansieht, welche altehrwürdigen Serien sich auch dieses Jahr wieder zu einer Fortsetzung bequemen. Wir denken da an Need for Speed, GTA, Tomb Raider oder Call of Duty. Klar, dass da natürlich eine der erfolgreichsten Echtzeitstrategie-Serien der Spielegeschichte nicht fehlen darf. Command & Conquer is back und kommt mit dem dritten Teil des Serienablegers Alarmstufe Rot nicht nur auf den PC sondern auch wieder auf die Xbox 360. Wir haben das kriegerische Geplänkel für beide Systeme getestet.
Albert wer?Wer Command & Conquer in sein Laufwerk steckt, der darf sich grundsätzlich nicht auf staubtrockene und ernst gemeinte Geschichten einstellen. Während die Tiberium-Spiele aber immer nur dezent ins Alberne abgleiten, scheinen sich die Entwickler bei Alarmstufe Rot grundsätzlich immer kreativ auszutoben. Das wird beim dritten Teil deutlicher denn je, denn die Sowjets entschliessen sich mal eben in der Mittagspause dazu, Albert Einstein während einer kleinen Zeitreise zu liquidieren - der Spieler darf diesem Ereignis natürlich in einer technisch hochwertigen, aber inhaltlich enorm überzogenen, trashig wirkenden Realfilm-Zwischensequenz beiwohnen. Das Attentat auf Einstein funktioniert nicht nur sehr zuverlässig sondern auch erstaunlich schnell und schon sieht sich Russsland urplötzlich nicht mehr von einer Atommacht konfrontiert. Wie auch, ohne Einsteins Forschungen?
Dumm nur, dass die Amerikaner trotz allem eine starke Waffentechnologie entwickelt haben und weiterhin im globalen Heckmeck mithalten können. Noch viel dümmer ist allerdings, dass die Japaner, pardon, im Spiel ist es das Reich der aufgehenden Sonne, jetzt auch Ansprüche auf die Weltherrschaft erheben. Satz mit X, das war wohl nix, liebe Sowjets, vor dem Einstein-Attentat hattet ihr euch nur gegen eine Partei zu erwehren. Aber so kommen wir Command & Conquer-Spieler immerhin wieder einmal in den Genuss von drei spielbaren Parteien. Auf, auf, der Krieg hat begonnen.
Bonbon-bunte Barracken-BallereienWenn ihr das Schlachtfeld in Alarmstufe Rot 3 das erste Mal betretet, werdet ihr Augen machen. So knallbunt war bislang noch kein Command & Conquer-Titel. Egal, in welchem Terrain die Mission spielt, selbst karg bewachsene Steinwüsten und verschneite Schneelandschaften haben die Entwickler so grell überzeichnet, dass man fast von einem Command & Conquer in Comicoptik sprechen kann. Der Atmosphäre tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die überbunte Kriegswelt unterstreicht die gewollte Absurdität, die der Titel in punkto Story und Zwischensequenzen bereits zu Spielbeginn vorgibt. Hier geht es nicht darum, eine drückende Kriegsatmosphäre zu erschaffen, hier geht es darum, den Spieler zu unterhalten. Und das schaffen die Entwickler mit einem mehr als dezenten Augenzwinkern sehr gekonnt. Mal ehrlich, liebe Leser, wie oft kommt es vor, dass ihr beim Anschauen einer Zwischensequenz eines Kriegsspiels laut und herzhaft lacht? Nicht allzu oft, hoffen wir.
Am grundlegenden Gameplay der Serie hat man nichts Entscheidendes geändert. Noch immer stampft ihr in den meisten Missionen eine Basis mit Bauhof, Kaserne, Raffinerie und Waffenfabrik aus dem Boden und verteidigt diese, zieht eine zahlenmässig starke Armee an verschiedensten Einheiten hoch und überrollt den Gegner. Die taktisch anspruchsvollsten Schlachten bot Command & Conquer noch nie, daran ändert sich auch diesmal nichts. Dennoch sind die Missionen enorm abwechslungsreich inszeniert und bieten durch intelligente Bonusziele und geskriptete Ereignisse viel Dynamik und ein paar echte Überraschungen. Davon abgesehen verstehen die Entwickler das Spiel mit dem Balancing. Obwohl alle drei Parteien grundlegend andere Stärken haben, wirkt keine Fraktion deutlich stärker oder schwächer als die anderen. Um das zu gewährleisten, wurde auch die Durchschlagskraft der meisten Superwaffen gedrosselt. Diese unterstützen euch weiterhin in der Schlacht und können eine Mission durchaus drehen, sie beenden sie aber in der Regel nicht.
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 Tobias Kuehnlein
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